Sommer ist die Jahreszeit der Wiesenpflege.
Ebenso wie die Obstbäume prägen auch die Wiesen – das sogenannte Grünland – den Charakter unserer Streuobstwiesen. Sie sind Lebensraum für zahlreiche Pflanzen-, Insekten-, Vogel- und Säugetierarten und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz. Gleichzeitig ist es unser Ziel, die Artenvielfalt der Wiesen zu fördern und möglichst viele regionaltypische, teilweise selten gewordene Kräuter und Gräser zu erhalten.
Voraussetzung dafür sind nährstoffarme Böden. Deshalb gehört die Abmagerung der früher intensiv bewirtschafteten Flächen zu den zentralen Aufgaben unseres Vereins. Ein besonders wirksames Mittel hierfür ist die Heumahd: Die Pflanzen entziehen dem Boden Nährstoffe, die mit dem geernteten Heu von der Fläche entfernt werden und so nicht in den Nährstoffkreislauf zurückgelangen. Eine Heumahd ist, abhängig vom Erntezeitpunkt, aufwendig und bedarf mehrerer Arbeitsschritte: Das Gras muss gemäht, getrocknet, gepresst und geborgen werden
Das Heu ist dabei selbst ein wertvolles Produkt der Streuobstwiese. Es wird unter anderem als Futter für unsere Wiesenschafe genutzt und soll deshalb eine hohe Qualität aufweisen. Um diese zu erreichen, erfolgt die Heumahd – wie in der Grünlandbewirtschaftung üblich – bereits im Mai oder frühen Juni. Nur zu diesem Zeitpunkt lässt sich hochwertiges Futterheu gewinnen.

Die Pflege von Streuobstwiesen bewegt sich damit stets im Spannungsfeld unterschiedlicher Ziele. Eine späte Mahd schützt viele Tiere während der Brut- und Setzzeit besser, führt jedoch zu einer geringeren Futterqualität und verringert zugleich den Erfolg der gewünschten Abmagerung der Flächen. Eine frühe Heumahd verbessert dagegen die Qualität des Heus und unterstützt die Entwicklung nährstoffarmer, artenreicher Wiesen, nimmt dafür aber in Kauf, dass sie in einen ökologisch sensiblen Zeitraum fällt.
Aus diesem Grund führen wir eine Heumahd nur etwa alle zwei Jahre durch. In den Zwischenjahren werden die Flächen überwiegend Geschlegelt: Auch hier geht es um das Abtragen der oberirdischen Pflanzenteile ohne beabsichtigten Eingriff in den Boden. Allerdings wird bei diesem Verfahren das Erntegut nicht geborgen. Das Abtrennen, Zerkleinern und flächendeckende Ablegen des Erntegutes erfolgt in einem Arbeitsgang zum Ende des Sommers. Die Wiese wird gemulcht und die Nährstoffe in den Pflanzen gelangen über kurz oder lang wieder zurück in den. Welche Pflegemaßnahme zum Einsatz kommt, entscheiden wir deshalb nicht nach einem einzelnen Ziel, sondern immer im Hinblick auf das Gesamtbild der Streuobstwiese – als Lebensraum, Kulturlandschaft und nachhaltig genutzte Fläche.